Kampfgemeinschaft erobert beim Heimkampf in Bad Aibling die Tabellenspitze
Beim mit einem 12:2 bisher höchsten Saisonsieg der Kampfgemeinschaft Aibling-Grafing gegen Jahn Nürnberg erlebt Bad Aibling das nächste Judo-Spektakel. Dabei sind ein gelungener Mix aus Kadertiefe und Spitzenathleten erneut der Erfolgsgarant für die Oberbayern. In drei Wochen kommt es nun zu einer möglichen Vorentscheidung um die Zweitligameisterschaft gegen den TSV Großhadern aus München, den Saison-Favoriten und Ligaprimus.
Noch bevor der erste Kampf gegen Nürnberg gekämpft war, musste die KG zunächst einige Rückschläge verkraften. So fielen in der Woche vor dem Kampf gleich mehrere Athleten verletzungsbeding aus, darunter Nachwuchstalent und der Siebte der Deutschen Meisterschaften Muhamed Tachaev und auch Team-Captain Robert Barwig.
Dass die KG-Kämpfer sich davon nicht beirren lassen wollten, zeigte sich gleich im ersten Kampf des Tages, als „Youngster“ Maximilian Osterloher in der Gewichtsklasse -66 kg gegen Samir Gegic seinen ersten Zweitligasieg feiern konnte. Der erst 16-jährige Osterloher kämpfte taktisch clever, konterte seinen Gegner kurz vor Ende des Kampfes zu einer kleinen Führung aus und verteidigte diese tapfer und erfolgreich bis zum Kampfende.
Im Schwergewicht benötigte Mohamed Roauhi lediglich 17 Sekunden, um mit einem schönen O Uchi Gari, einem Innensichel-Fußwurf, auf 2:0 zu stellen. Zoltan Pilmayer (-100 kg) ließ sich von der hektischen Anfangsphase seines Kampfes nicht beirren und fuhr gegen Christian Struck nach knapp über einer Minute Kampfzeit das 3:0 ein. Noch ein bisschen schneller siegte Hendrik Eichner, der in der Gewichtsklasse -90 kg lediglich 57 Sekunden für seinen Sieg gegen David Gassaev benötigte.
Punktegarant Ian Störmer (-73 kg) fand gegen Vadim Shenk schwer in den Kampf, siegte jedoch nach 2 Minuten souverän mit einem Innenschenkelwurf (Uchi Mata). Den ersten Punktverlust für die KG musste Kevin Miller (-81 kg) hinnehmen, ehe der Franzose Louis Pestelard im Superleichtgewicht (-60 kg) sein Debüt für die Kampfgemeinschaft gab. Dabei zeigte Pestelard absolutes Klasse-Judo und besiegte seinen Gegner durch einen stark herausgearbeiteten Armhebel.
„Wir hatten zwar auf eine deutliche Führung zur Pause spekuliert, umsetzen müssen es dann aber letztendlich die Kämpfer. Das hat heute erneut sehr gut funktioniert“, erklärt Martin Garic, neben Florian Speigel einer der zwei Coaches der Kampfgemeinschaft. „Durch das 6:1 hatten wir die Möglichkeit, das Team für den zweiten Durchgang ordentlich durchzumischen“ ergänzt Speigel.
So rückte Louis Pestelard in die Gewichtsklasse -66 kg auf und zeigte auch im höheren Gewichtslimit ein wahres Judo-Feuerwerk. In nur 37 Sekunden warf er seinen Gegner, Julian Dietz, gleich zweimal spektakulär und sicherte somit den siebten Punkt für die Gastgeber. Mohamed Rouahi (+100 kg) holte im Anschluss den entscheidenden achten Punkt, womit der Sieg bei insgesamt 14 Duellen auch rechnerisch gesichert war.
Dies war für die KG jedoch kein Grund für einen Spannungsabfall. Siegeshungrig holten Robert Buendowski (-100 kg) und Valentin Larasser (-90 kg) jeweils in unter einer Minute Kampfzeit zwei weitere Punkte für ihr Team. Larasser meldete sich nach längerer Verletzung erst kurz vor dem Duell mit den Nürnbergern wieder fit. Der ebenso im Saisonverlauf verletzungsgeplagte Kilian Daller gab im Anschluss an Larassers Sieg sein Saisondebüt für die Kurstädter. Gegen den starken Jonas Holtmann zeigte Daller in der Gewichtsklasse -73 kg einen taktisch und physisch stark geführten Kampf und besiegte seinen Gegner mit Ablauf der vollen Kampfzeit mit einer kleinen Wertung.
Beim Stand von 11:1 kam der 17-jährige Stefan Holzmaier zu seinem Bundesligadebüt. Holzmaier kämpfte beherzt und zeigte einen starken Griffkampf. Durch einen kleinen Fehler brachte er sich jedoch um den Lohn für seinen bis dato taktisch klug geführten Kampf.
„So ist das leider im Leistungssport. Man kann 3 Minuten lang alles richtig machen, entscheidet man sich jedoch im Bruchteil einer Sekunde falsch, zählt die vorher gezeigte Leistung gefühlt nichts mehr. Für Stefan ist das Ergebnis natürlich ärgerlich, ich sehe besonders in so einer Situation aber lieber einen starken Kampf, der letztendlich unglücklich verloren geht, als einen schwachen Kampf, der glücklich gewonnen wird. Denn Glück lässt sich nicht replizieren,“ versucht Coach Garic seinen Schützling aufzumuntern.
Den sprichwörtlichen Deckel draufzumachen, oblag dem 18-jährigen Maxim Weisser in der Gewichtsklasse -60 kg. Nach nur knapp über einer Minute Kampfzeit holte Weisser seinen Gegner mit einem schönen Fußfeger von den Beinen und siegte vorzeitig. Weisser bleibt damit auch in seinem siebten Kampf der Saison 2026 ungeschlagen – sieben Kämpfe, siebenmal gewonnen.
Durch den deutlichen Sieg gegen Jahn Nürnberg grüßt die Kampfgemeinschaft nun vom Tabellenplatz an der Sonne, dicht gefolgt von München-Großhadern. Am 04.07.2026 kommt es dann in Grafing zum Spitzenduell mit den punktgleich auf Platz zwei liegenden Münchenern.
„Großhadern hat auf dem Papier den etwas besser bestückten Kader, abgerechnet wird jedoch in drei Wochen auf der Matte. Wir sind bereit und heiß auf das Duell,“ so Trainer Florian Speigel voller Vorfreude auf das kommende Judo-Schmankerl.
Text: Martin Garic
Bilder: Sportfotos24 – Thomas Wetzel